Dr. Florian Wimpissinger: Beschneidung führt zu Sensibilitätsverlust


Dr. Florian Thomas Wimpissinger, FA f. Urolologie

„Zirkumzision ohne Patienteneinwilligung ist Körperverletzung.“

Die Zirkumzision (Beschneidung der männlichen Vorhaut) ist eine Operation, bei welcher die Vorhaut ganz oder teilweise entfernt wird. Indiziert ist die Zirkumzision bei echter Vorhautverengung (Phimose), Tumorerkrankungen oder Condylomata accuminata („Feigwarzen“) der Vorhaut. Die Phimose wird in der Regel im Kindesalter zu häufig diagnostiziert, ein Zurückschieben der Vorhaut ist oft erst ab dem 4. oder 5. Lebensjahr möglich, bis dahin ist die Vorhaut mit der Eichel verwachsen.Da es sich bei der Zirkumzision um einen invasiven operativen Eingriff handelt, ist die Beschneidung ohne Einwilligung des Patienten als Körperverletzung zu betrachten. Die Frage, inwieweit eine Zirkumzision von Neugeborenen und Kindern aufgrund der Einwilligung ihrer Eltern erlaubt ist, muss nach ethischen Gesichtspunkten von den Gerichten geklärt werden.

Neugeborene zeigen wochenlang verändertes Trinkverhalten
Sämtliche Faktoren, welche für den gesundheitlichen Nutzen einer Zirkumzision zur Diskussion stehen (Hygiene, Infektionsrisiko senken, Krebsprophylaxe) sind bis heute wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. In Hochrisikoregionen (zB. südliches Afrika) kann eine Zirkumzision das HIV-Ansteckungsrisiko evtl. senken, wenn andere Maßnahmen (Verhalten, Kondome) nicht ausreichen. In der aktuellen Diskussion um Zirkumzisionen von Kindern ohne medizinische Indikation müssen drei Aspekte betrachtet werden: 1. Als invasiver Eingriff (Operation) ist die Zirkumzision ohne jede Form der Anästhesie hoch schmerzhaft — unabhängig von Technik und Dauer der Beschneidung. Dies wurde in Studien insbesondere auch für kleinste Kinder nachgewiesen. Mittels objektiver Parameter wurde eine enorme Belastung des Organismus gemessen. Bei Neugeborenen fand man auch Tage und Wochen nach einer Zirkumzision ohne Narkose ein verändertes Trinkverhalten und Auffälligkeiten in der Mutter-Kind-Beziehung.

Die Penishaut dient einem „reibungsarmen“ Geschlechtsverkehr
In der eigenen Praxis führen wir Zirkumzisionen bis etwa zum 25. Lebensjahr idealerweise in Vollnarkose, danach in Lokalanästhesie durch. 2. Anatomisch betrachtet verliert der Patient mit der Vorhaut (oder Teilen davon) ein „Organ“ mit extrem hoher Nervendichte. Des weiteren kommt es zu einem Verlust von Haut und Schleimhaut, welche beim Geschlechtsverkehr eine wichtige Rolle spielt. Beim eregierten Penis bilden Penisschafthaut und Vorhaut gemeinsam eine „Verschiebeschicht“ zur darunterliegenden Faszie des Penis. Erste Untersuchungen zeigen, dass dies auch einen negativen Einfluss auf das Empfinden der Frau hat (mehr „Reibung“ zwischen Penishaut und Vaginalschleimhaut). 3. Jeder operative Eingriff kann Nebenwirkungen oder sogar Komplikationen nach sich ziehen. Postoperative Blutung, Wundheilungsstörungen/Infektionen oder eine Enge der Harnröhrenmündung (auch Jahre nach dem Eingriff) sind nur einige der möglichen Folgen. All diese negativen Aspekte der Zirkumzision müssen übrigens immer auch mit Patienten (oder deren Eltern) genau besprochen werden — auch wenn eine medizinische Indikation besteht.

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